Montag, 19. Oktober 2015

15. – 19. Oktober: Kolumbien, Teil 1…… Cartagena und die nördlichen Berge als Flucht vor der Hitze

Am Mittwoch ist nochmals sightseeing in Cartagena angesagt; ich klappere auf der Suche nach einem „movistar“-Anbieter die halbe Stadt ab, die laut googlemaps vorhandenen sind entweder nicht auffindbar oder in einem Geschäft, das es nicht mehr gibt. Aber so komme ich in der ganzen Stadt rum und weiss wieder einmal, wieso mir Städte nicht wirklich gefallen: eine schöne, touristische Altstadt mit herrlich restaurierten Gebäuden und den Geschäften mit den entsprechend teuren, überall auf der Welt auftauchenden Edelmarken. Und auf der anderen Seite das reale, alltägliche Cartagena: laut, schmutzig, heruntergekommene Bauten, Strassenverkäufer, Armut wo man hinschaut. Aber wie heisst es hier dann einfach? „es la vida“….






wohnen tun sie hier noch, aber davor parken ist verboten (Photo unten)!!


vor Ampeln oder Bahnübergängen herrscht das Prinzip des schnelleren ;-) 

Am Donnerstag dann so schnell wie möglich aus dem morgendlichen Verkehrschaos raus, und zuerst mal in Richtung Medellin. Der Verkehr hält sich in Grenzen, auch wenn viele Trucks unterwegs sind, kommen wir gut vorwärts. Es ist immer noch drückend schwül-heiss und nach einem feinen Mittagessen bei einem der vielen Strassenrestaurants (Kostenpunkt inkl. Suppe und Getränk: CHF 2.50) mache ich einen Schwenker in Richtung Berge. Pat will noch ein paar Strassen entlang der Seen ausprobieren und somit trennen sich hier unsere Wege. Zwar möglich, dass wir uns in den nächsten Tagen nochmals über den Weg „laufen“, aber da ich bis Mitte Dezember ein viel südlicheres Ziel im Visier habe, heisst es hier nun Abschied nehmen. Es wird nach praktisch 6 Wochen anfänglich wieder eine Umstellung sein, alleine unterwegs, selber entscheiden wann wohin. Aber ich freu mich drauf und was ich bisher gesehen und gehört habe, steigert die Freude auf die Kolumbianer und ihr Land noch zusätzlich.
Mein eigentliches Tages-Ziel Bosconia erreiche ich bereits um 14 Uhr und die Stadt ist dermassen ein Gewusel, dass ich kurzerhand weiterfahre; abgesehen davon, habe ich grad noch so gar nicht genug vom Fahren…. quasi Motorrad-Entzugserscheinungen ;-)
Dank einem Unfall zwischen 2 Trucks ist die Strasse mehr als eine Stunde gesperrt und da die „45“ die Hauptstrasse von Norden nach Bogota ist, heisst das zwangsläufig Kilometerlanger Stau, auch wenn ich soweit es irgendwie geht mich am Strassenrand entlang nach vorne mogle. Zwei vorbeifahrende Polizisten fragen mich schon besorgt, wohin ich will, alleine kurz vor Einbruch der Nacht. Ja prima, das denke ich auch. Meine erster Tag wieder alleine auf der Strasse und ich bin nicht rechtzeitig im Hostel. Mit einem etwas mulmigen Gefühl fahre ich schon bei zappenfinsterer Dunkelheit – dabei ist es erst 18.00 Uhr – bei meinem Hostel in Aguachica vor. Aber die sind ja alle soooo nett; der Besitzer fährt mit mir nach dem Einchecken sogar noch mit seinem kleinen Motorrad – ich hinten drauf, ohne Helm wie alle – ein paar Blocks zum nächsten Handyanbieter, um endlich meine Simkarte zu laden. Und holt mir noch was zu essen, weil er mich nachts nicht mehr alleine rumwandern lassen will. Tja, ich lasse mich ohne grosse Widerrede verwöhnen. Mittlerweile fragt mir seine Frau Löcher in den Bauch und ich versuche sie so gut wie möglich in Spanisch zu beantworten. Am nächsten Morgen lasse ich erst mal ein heftiges Gewitter vorbeiziehen – die Strassen fliessen schon wieder über – und fahre dann gemütlich los, diesmal mit dem Ziel, San Gil auf angenehmen 1200müM zu erreichen. Dafür darf ich aber erst mal durch Bucaramanga durch. Wow, ohne Navi wär das echt eine Herkulesaufgabe. So ist es einfach nur stressig, weil sie tatsächlich viel schlimmer fahren wie alles bisher erlebte. Von allen Seiten drängeln sie rein, jeder überholt jeden und gehupt wird aus Prinzip praktisch ohne Unterlass. Ein junger Motorradfahrer nimmt sich trotzdem die Zeit und fragt mich – bei jedem Ampelstop – über mein Motorrad und meine Reise aus ;-) schon lustig, so eine Unterhaltung von Helm zu Helm, immer wieder unterbrochen durchs weiterfahren. Ich bin aber schlussendlich froh, als ich die Stadt endlich hinter mir habe und schon kurz darauf trennt sich die Strasse und ich fahre der 45A entlang. Sofort sind es verhältnismässig nur noch wenige Trucks (max. Geschwindigkeit rauf- und runterwärts ca. 20kmh) und die üblichen Überlandbusse, die ich aber mit meiner Suzy Blue problemlos bei jeder sich bietenden Gelegenheit überhole. Hinten dran zu fahren würde mit einer heissen Kupplung, durchgebrannten Bremsen und einer Abgas-Vergiftung enden. Nach einem solchen Überholmanöver – ach ja, die Strassen bestehen hier praktisch durchgehend aus doppelten Sicherheitslinien! – werde ich doch prompt von zwei flotten jungen Motorradpolizisten rausgewunken. Ich hab natürlich schon Angst, dass die mir wegen diesem unerlaubten Überholen eine Busse aufbrummen. Ich lächle tapfer und begrüsse sie mit einem freundlichen „buonas dias senores“. Aber tatsächlich: ausser dem Kontrollieren der Papiere interessieren sie sich vor allem für mein Motorrad und das woher/wohin. Und dann die schlaue Frage: wieso reist du alleine (der Zusatz „als Frau“ war sehr gut rauszuhören)? Ja, wieso? Hmmmm…. „porque no“? war dann meine Antwort. Worauf sie nur gelacht haben und mir eine gute Reise wünschten. Phhhh….also nochmals gut weggekommen, mein erstes live-Polizei-Erlebnis in Kolumbien bleibt demnach in bester Erinnerung. Die grosse Polizeipräsenz fällt sowieso auf; aber im Gegensatz zu den Centralamerikanischen Ländern vermitteln sie hier nichts Beängstigendes – vielleicht auch, weil sie in einem fröhlichen, grellen Gelb unterwegs sind; übrigens praktisch alle auf Suzukis: kleine 200DR in der Stadt, grössere 650 VStroms auf den Landstrassen.

Suzuki's beim Kaffeetratsch ;-)




















Die letzen ca. 80km sind dann einfach nur noch traumhaft. Die 45A windet sich dem Chicamocha Canon entlang in die Höhe, Kurve um Kurve, die Landschaft atemberaubend, die Strasse der Hammer. Dieser Canon ist der 2.grösste Canon der Welt (227km, 2000m tief) und ich muss immer wieder mal einen Photostop einlegen. 




Noch völlig platt vom gesehenen komme ich im Hostel „Villa Isabela“ an und werde von 5 Hunden jeglicher colour ausgelassen begrüsst. Das Hostel ist im Prinzip das Zuhause von Miguel, der 2 Zimmer für Gäste hergerichtet und zusätzliche Duschen/Toiletten installiert hat, umgeben von üppigen Pflanzen und der Viehweide mit seinen Kühen drauf. Ich fühl mich hier gleich pudelwohl und nachdem er für mich extra auf die Schnelle etwas gekocht hat - der nächste Laden ist leider 2km entfernt und ich hab ja nie etwas essbares dabei – machen wir noch einen ca. halbstündigen Spaziergang zum Aussichtspunkt, wo wir prima auf San Gil runterschauen können. Wir: Miguel, der 2. Gast Paul, die 5 Hunde und die 3 Katzen!!! Was für ein Bild, Miguel voraus mit der üblichen Machete um den kleinen Weg frei zu halten und wir hinten nach…..

Aussicht auf San Gil (Santander), zusammen mit Hund & Katz ;-)



der kleine Kater Rui schläft mit Vorliebe zusammen mit der Bulldogge Chata
 Ich schlafe wie ein Herrgöttchen – keine Autolärm, keine Discomusik aus der Nachbarschaft, nur das Zirpen der Zikaden ist zu hören; und die Temperaturen auch endlich wieder mal angenehm. Am nächsten Morgen dann eine Rundfahrt durch’s Hinterland zurück zum Nationalpark „Chicamocha“. Ich will mir diese beeindruckende Landschaft nochmals in Ruhe anschauen – und vor allem die Aussicht von der „Extrem-Schaukel“ aus: eine riesige Schaukel, die direkt über den Canon reicht; ich geb’s zu; ich finde solche Sachen einfach total lustig. Nicht gefährlich, aber lässt halt das Adrenalin schon einen Moment in die Höhe schnellen J Auch sehr beeindruckend das „Monumento di Santandereanidad“, das zur Erinnerung an die Revolution im 18. Jahrhundert und somit zur Loslösung von Spanien erstellt wurde. Die insgesamt 12 Franken (Eintritt, Parplatz, Getränke, Riesenschaukel) also super investiert!  Am Abend dann gemütlich vor einem Lager-Feuerchen die Füsse hochlegen und in den Sternenhimmel kucken…..













Am Sonntag wechsle ich die Location und fahre ins gemütliche Barichara; 25km gibt mein Navi an, ein Klaks also. Kurz nach dem Start führt mich das Navi nach links, wobei ich sehe, dass die Strasse rechts auch nach Barichara führt. Aber da beide zum gleichen Ausgangspunkt kommen, folge ich brav dem Navi. Asphalt wird von Schotter abgelöst, aber soweit alles noch im grünen Bereich. Nach etwa 10km komme ich ins erste Dörfchen und fahre fröhlich winkend an den verdutzten Bewohnern vorbei. Fremde sind hier wohl eher Mangelware! Gleich nach dem Dorfausgang verwandelt sich die prima Schotterstrasse aber innert Kürze in einen Schlamm- und Wasserweg. Tapfer kämpfe ich mich durch, auch wenn ich weder mit meinen Reifen noch mit dem ganzen Gepäck wirklich dafür gemacht bin. Als es dann aber auch noch anfängt, steil nach unten zu gehen, gebe ich auf. Das würde ich nie schaffen, rutscht das Motorrad grad sowohl vorne wie auch hinten bloss noch in der Gegend rum. Also drehe ich mühsam um und kämpfe mich zurück ins Dorf. Soviel zum Nutzen der gestrigen Motorradwäsche! Im Dorf frage ich dann kurzerhand die Polizisten, wie ich denn nun fahren soll. Ich kriege eine detaillierte Beschreibung – wovon ich etwa die Hälfte verstehe – und da mein Navi in der angegebenen Richtung auch eine Strasse zeigt, wird das wohl schon stimmen. Wieder auf prima Schotter geht’s runterwärts zum Fluss, dem Fluss entlang über eine grosse Stahlbrücke – mit etlichen fehlenden Teilen – und auf der anderen Seite wieder hoch. Aber hallo, das ist ja total in der falschen Richtung; mein Navi hat beschlossen, dass sich meine Zieleingabe „Barichara“ nun in „Guane“ umgewandelt hat und führt mich schnurstracks dahin. Lustigerweise habe ich mittlerweile Kontakt mit Pat, der zufällig in Barichara übernachtet. Wir treffen uns also beim nächsten Dorf zum Mittagessen und fahren dann gemeinsam zurück nach Barichara, grad noch rechtzeitig vor dem abendlichen Gewitter. Wie sich herausstellt, war genau EIN falscher Abzweiger meines Navi’s „Schuld“ für meine Irrfahrt. Aber was soll’s, es war ein toller Tag:  170km praktisch ausschliesslich Schotter (davon etwa 500m Matschstrasse), tolle Landschaften und überall freundliche Leute – in Zapoteca hat ein Vater sogar seine 4 Kinder mit mir und meinem Motorrad fotografiert, nachdem er erfahren hat, was ich für eine Reise mache ;-)




Nun bin ich allerdings fix und fertig; zudem läuft meine Nase ununterbrochen. Eine Mütze Schlaf ist angesagt und ich hoffe, dass sich dann die aufziehende Erkältung wieder legt….

Buonas noches mi amigos….

Mittwoch, 14. Oktober 2015

8. – 14. Oktober: Panama – Kolumbien…… Pirates of the Carribean Stahlratte ;-)

Donnerstag Morgen früh ist es also soweit. Wir verlassen Panama und fahren die rund 120km zum Treffpunkt mit der Stahlratte-Crew. Zuerst durchs morgendlich Panama-Verkehrschaos, dann auf der Panamericana in Richtung Darien Gap. Nach ereignislosen 90km dann der Abzweiger in Richtung Carti. Wir fahren nun durch das „Hoheitsgebiet“ der Kuna Yala, ein Eingeborenen-Stamm, der weitgehend autonom lebt und sich so ihre ursprüngliche Lebensart erhalten hat. Sie leben zum grossen Teil auf den rund 400 San-Blas Inseln, oftmals ohne Strom und in einfachsten Bambus/Palmhütten. Entsprechend müssen wir einen Obulus entrichten, um durch ihr Land fahren zu dürfen. Die Strasse an sich schon ein kleines Abenteuer: rechts und links dichter Dschungel,
nach unübersichtlichen Kurven öfters mal ein 4-5m breites Schotterstück, ein nicht-enden-wollendes, kurviges, teilweise extrem steiles Rauf und Runter – und mit steil meine ich rund 40%! 



Dann ist endlich das Meer in Sicht, die Stahlratte ankert ein bisschen ausserhalb und bereits sind etliche Motorräder auf dem Pier, ein fleissiges Kleiderwechseln und Gepäck abmontieren ist im Gange. Ich bin natürlich schon gespannt, wer denn noch die nächsten Tage auf der Stahlratte mit dabei ist, von wo die Biker kommen – freue mich darauf, Geschichten, Erlebnisse, Erfahrungen auszutauschen. Es sind schlussendlich 18 Motorräder, 23 Passagiere (davon 20 BikerInnen) und 6 Crewmitglieder, die auf dem Segelboot Platz finden sollen. Wir alle können es uns noch nicht so recht vorstellen, wo all das Gepäck und die Motorräder hinsollen. Wir dürfen beim rüberschiffen und versorgen des Gepäcks helfen und werden dann mit einem „Tagesgepäck“ auf die Insel „EL Porvenir“ verfrachtet. Die Crew und ihre Kuna-Helfer wollen beim Aufladen nicht von besorgten Motorradbesitzern gestört werden; vermutlich auch besser so, sie haben genug Erfahrung damit. Auf El Porvenir dann gemütliches Planschen im Meer und bei frischem Fisch oder Oktopus, Bier und Rum lernen wir uns nach und nach näher kennen: 1 Rumäne, 1 Italiener, 1 Türke, 1 Australier, 2 Spanier, 3 Deutsche, 6 Engländer, 4 Schweizer, 2 Amerikaner, 2 Holländer – ein bunt gemischtes Trüppchen also, einige der Biker/Innen schon mehrere Jahre unterwegs, einige auf dem ersten grossen Trip. Der Gesprächsstoff geht uns also auf keinen Fall aus ;-)




18 Motorräder fein säberlich verpackt und verzurrt
Am Freitag Morgen werden wir dann auf die Stahlratte gefahren, wo unsere Motorräder prima verpackt auf der Reling ihren Platz gefunden haben. Nach einem opulenten Brunch und nachdem all unsere Dokumente und Pässe wieder zurück sind vom Zoll, geht’s los in Richtung San Blas Inseln. Nach rund 3 Stunden auf dem Karibischen Meer ankern wir im Bereich von 4 kleinen Inseln, alle in schwimmbarer Distanz. Saisonal bedingt sind wir „nur“ mir Motorkraft unterwegs und nicht mit den Segeln. Zwar schade, dass ich das nicht erleben kann, aber dafür ist das Meer schön ruhig, mein Magen wird es wohl vorziehen, wenn es so bleibt. Ich bin ja eh gespannt, wie gut ich mit dem ständigen Schaukeln zurechtkomme – habe allerdings sicherheitshalber natürlich Tabletten gegen Seekrankheit bei mir. Wir bleiben bis Sonntag Morgen früh hier: Beach Barbeque, schnorcheln, sönnele ist angesagt. Schon in der Nacht dann der erste Regesturm, das grosse Schiff bleibt aber erstaunlich ruhig. Am Samstag fahren dann einige mit dem kleinen Motorboot zu einer Insel mit mal gerade 1 Palme drauf – Robinson Crusoe-Feeling kommt auf. Ein herrlicher Platz zum schnorcheln, ist doch ein kleines Riff rund um die Insel. Leider müssen wir das Vergnügen schon bald abbrechen, der nächste Regensturm zieht mit horrender Geschwindigkeit auf. Das kleine Boot muss zweimal fahren um uns auf die Stahlratte zurückzubringen und ich bin in der 2. Gruppe mit dabei – wieso bin ich schon wieder die einzige Frau hier? Das Meer inzwischen ziemlich stürmisch, es regnet in Strömen. 2 Personen schippen permanent Wasser raus, das bei jedem Wellengang ins Boot reinschwappt. Ein leicht mulmiges Gefühl ist da, wir sind uns alle sehr bewusst, dass wir grad noch rechtzeitig zurückkommen. Mehr Wellengang wäre schon langsam kritisch geworden für das kleine Boot. Zurück auf der Stahlratte trotzen wir dem Unwetter bei Rum und Cola und einem wiederum opulenten Mittagessen: Pirates of the Carribean….. so lässt es ich doch leben :-)








Inselleben vom Feinsten - da blieben echt keine Wünsche offen..
Am nächsten Morgen startet die Stahlratte dann endlich die Motoren und nimmt Fahrt auf in Richtung Cartagena. Mit dem Einziehen des Ankers schlucke ich sicherheitshalber auch schon mal die erste Tablette gegen Seekrankheit. Obwohl das Meer verhältnismässig ruhig ist, ist das Schaukeln des Bootes schon sehr gut bemerkbar. Ich schlafe tief und fest bis 8 Uhr und werde von den Frühstücks-Geräuschen wach. Aus Erfahrung hat die Crew heute nur wenig Frühstück vorbereitet und tatsächlich hängen schon mindestens 10 der 23 Passagiere in den Seilen und füttern fleissig die Fische. Hab zwar ein leicht komisches Gefühl in der Magengegend, aber nach einer rechten Portion Birchermüesli geht es mir prächtig und ich hab schon fast ein wenig ein schlechtes Gewissen den weniger Glücklichen gegenüber. 30 Stunden soll die Fahrt dauern, ich verbringe die meiste Zeit Musik hörend und vor mich hinträumend vorne am Bug im Netz, das direkt über dem Wasser hängt.
Am Nachmittag dann mitten im Karibischen Meer ein kurzer Stop, damit wir uns im Wasser abkühlen können. Das feucht-tropische Klima macht allen zu schaffen. Das ist ja echt ein lustiges Bild: ca. 15 Menschen im Meer, soweit das Auge reicht, nichts als Wasser. Da kommen doch gleich so lustige Sprüche vom Kapitän: hey tschüss dann, hat mich gefreut, macht‘s gut…. Obwohl die Abkühlung eine prima Idee war, steigen wir alle gerne wieder zurück auf die Stahlratte. 



Und am nächsten Morgen dann endlich: „Land in Sicht“!!!! Wir ankern im Hafen von Cartagena und es wird nochmals so richtig herzhaft gefuttert, bevor uns die Crew ans Land schippert. Da es ein Feiertag ist und die Zollbehörden sowieso mehrere Stunden benötigen, um die Einfuhrpapiere auszustellen – es geht hier in Südamerika scheinbar alles noch etwas gemächlicher – haben wir den Nachmittag zur Verfügung, uns im Hostel breit zu machen und die Stadt zu erkunden. Cartagena ist wieder eine bunte Mischung aus wunderbarer Altstadt (teuer, alle berühmten Marken vorhanden) und heruntergekommenen Nebenstrassen mit den unterschiedlichsten Menschen, Geschäften und Gerüchen. Auch hier ist klar, dass gewisse Gegenden nachts eher zu vermeiden sind. Dankbar, wieder einmal richtig zu duschen und ein ruhig dastehendes Bett zu haben, gehen schon alle recht früh schlafen, denn am nächsten Morgen müssen wir bereits um 6 Uhr beim Hafen sein, um die Motorräder abzuladen. Später hat es zuviel „Verkehr“ im Hafen und der Wellengang ist sehr gefährlich für unsere Motorräder, die auf einem kleinen Ponton an Land gebracht werden.







Zügig werden die Motorräder vom Schiff verladen und alle zusammen fahren wir zum Zoll. Dort werden die Motorräder auf die Richtigkeit der Angaben hin geprüft und dann dürfen wir rund 5 Stunden warten, bis die Papier ausgestellt sind!!!! Anschliessend noch die obligatorische Versicherung abschliessen, das Gepäck vom Schiff holen und endlich dann – es ist bereits 16 Uhr, sind wir offiziell registriert und dürfen ab sofort die Strassen Kolumbiens unsicher machen ;-) Ein letzter Drink mit allen Bikern von der Stahlratte, da einige schon am nächsten Morgen früh losfahren, die meisten direkt in Richtung Medellin. Ich bleibe noch eine weitere Nacht in Cartagena, um in Ruhe meine Weiterfahrt vorzubereiten – und so unendlich weit weg das für mich im Moment noch tönt, meine Rückkehr langsam ins Auge zu fassen: Flug, Rücktransport Motorrad, etc.
Da bin ich nun an einem weiteren Meilenstein meiner Reise angekommen: die Südamerikanischen Länder Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien und Chile warten auf mich. Rund 2 Monate stehen mir noch zur Verfügung. Ich habe aber bereits jetzt beschlossen, nicht ganz runter nach Ushuaia zu fahren, zu dicht gedrängt dann das Fahrprogramm, zu viele schöne Fleckchen müsste ich dann auslassen. Ich werde bis nach Valparaiso/Santiago de Chile fahren und da meine erste lange – sowohl in Zeit wie auch in Kilometern- Motorrad-Reise beenden. Zuerst freu ich mich aber natürlich auf die nächsten Tage und Wochen und bin schon etwas kribbelig, was ich alles antreffen, sehen und erleben werde. Hasta luego mi amigos!

Dienstag, 6. Oktober 2015

26. September – 6. Oktober: Panama & Panama City– Endstation Zentralamerika….



Dieses Mal bin ich an der Reihe mit Grenzübergang-Laufereien: Costa Rica – Panama, grundsätzlich diesmal völlig unproblematisch und theoretisch auch nicht lang dauernd – ausser man hat –so wie ich – das Pech, 2 Busse voll mit Backpackern vor sich zu haben, die auch über den Zoll müssen….tja, so hat halt auch dieser Grenzübergang wieder gute 2 Stunden gebraucht. Aber langsam gewöhne ich mich an den Ablauf und mit den entsprechenden Erwartungen, gibt es ja dann auch keinen Grund, sich zu ärgern….. abgesehen davon, dass ich ja Ferien hab und nichts auf mich wartet auf der anderen Seite des Zolls ;-)
Das Garmin hat uns frohgemut auf direktestem Weg aus dem Grenzort Sixaola rausgeführt, auf eine Abkürzung zur Hauptstrasse: zuerst Asphalt, dann Schotter, dann Feldweg mit tiefen Fahrrinnen und zu guter Letzt über 5 sogenannte „Bananenbrücken“: kleine Brücken über Bewässerungs-Flüsschen, meist nur 2-3 Meter lang, Fahrzeugbreite und aus Holzbrettern bestehend. Die ersten beiden waren noch ganz ok, die dritte schon mit ein paar Lücken, bei der vierten musste ich schon mal tief Luft holen, bei der fünften wäre ich wohl ohne motivierende Unterstützung von Pat wieder umgekehrt, zu viele kaputte Bretter, alles wacklig und notabene wieder mal zu kurze Beine, um sicheren Halt zu haben. War dann schon ein bisschen stolz, dass ich rüber gekommen bin. Und heilfroh, dass kurz danach tatsächlich die Hauptstrasse wieder auftauchte. 




Von da an ging es zügig mehr oder weniger der Küste entlang rauf in die „Berge“, herrlich kurvig zum fahren – vorausgesetzt man behielt die aus dem nichts auftauchenden tiefen Schlaglöcher immer gut im Auge. Unser Ziel für den Abend war Boquete, ein schon recht touristisches Dorf (spezialisiert allerdings vor allem auf reiche Panamesen, die hier ihren Alterssitz ergattert haben) auf 1200müM - und somit im Verhältnis vor allem nachts herrlich kühl. Eine willkommene Abwechslung nach den feucht-tropischen Verhältnissen der letzten Tage und Wochen. So angenehm, dass aus dem einen Tag kurzerhand 2 geworden sind. Danach wieder runter an die Küste, mit einer Zwischenübernachtung in David – dies vor allem, weil wir beide auf der Suche nach Ersatzreifen sind und in David sämtliche Motorradmarken vertreten waren. Leider war die Suche ergebnislos, resp. mit nur einem Reifen zur Auswahl wollten wir uns noch nicht zufrieden geben. David und auch seine Hostels ansonsten einfach zum vergessen: laut, schlechte Luft und entsprechend unserer nicht sehr motiviert scheinenden Hostel-Besitzerin auch sehr gefährlich – so gefährlich, dass wir unser ganzes Gepäck sogar in ihrem Innenhof abmontieren mussten. Allerdings hat sie uns zum Abendessen ein paar Restaurants gezeigt, die zu Fuss doch gute 10 Minuten entfernt waren – und wir haben uns nicht wirklich gefährdet gefühlt. Allerdings sind wir dann wirklich gerne an die andere Seite, sprich zur Pazifikküste gefahren, wollten wir uns doch wieder mal einen bekannten Surf-Spot „reinziehen“: Santa Catalina. Der Weg dahin war eine wahre Freude – sobald wir den Panamerican-Highway verlassen konnten, der sich ab David durchwegs als Baustelle erwies. In Santa Catalina waren schon viele Hostels und Restaurants geschlossen, da ja Regenzeit und somit nicht mehr viele Gäste da waren. So waren wir im paradiesischen Hostel El Ranchero nur gerade vier Gäste. Der Besuch im Dorf fiel dann allerdings wieder mal ins Wasser, ein Gewitter liess uns den ganzen Abend im Beizchen neben dem Hostel ausharren. Ich habe noch nie in meinem Leben so viele Blitze gesehen, direkt über dem  Meer sowieso total beeindruckend. 




Die tropische Hitze am nächsten Tag trieb uns aber dann doch recht schnell wieder in die Berge – El Valle de Anton, quasi das Pendent zu Boquete, einfach noch viel weniger überlaufen. Mit dem jungen Besitzer des Hostels „Bodhi“ hatte ich einiges zu quatschen, hat er doch eine internationale Hotelfachschule in Montreux besucht. Den ganzen Abend über hatten wir dann Begleitung des Hostel-Hundes Orio, der vom Hostel quasi adoptiert worden war, nachdem er einige Hostelgäste bei einer missglückten Bergwanderung gerettet hatte. Wovor er uns allerdings retten wollte, habe ich nicht rausgefunden. Am nächsten Tag hiess es dann: ab nach Panama City, wo wir uns für eine Woche bei einer Familie einquartieren konnten. Am Nachmittag wurden wir dann das erste Mal so richtig von einem heftigen Gewitter heimgesucht; mitten im Feierabendverkehr von Panama City. Was das Wasser von oben nicht geschafft hat, haben die vorbeirasenden Autos und Busse dann übernommen: nass bis in den kleinen Zeh dank den teilweise massiven Wasserfontänen. Und hab ich gemeint, ich sei nach Mexiko und den anschliessenden Zentralamerikanischen Ländern für die verrückte Fahrweise der Einheimischen gewappnet, wurde ich schnell eines Besseren belehrt. Hier werden keine Lücken genützt, hier werden schonungslos Lücken geschaffen. Vor allem die Taxis kennen da kein Pardon. Wenn du nicht bremst (besser) oder ausweichst (gefährlich), hast du ganz einfach verloren. Und leider musste ich mir sagen lassen, dass die Panamesen im Vergleich zu den Südamerikanern geradezu gesittet fahren – na, das kann ja heiter werden!


wundervoll renoviert - neben Ruinen: ein häufig vorkommender Anblick


der berühmte "Panama-Hut", der eigentlich keiner ist!
street-art....

 Panama City ist ja nicht gerade ein Touristen-Highlight, aber nebst dem Service für meine Suzy, der Suche nach einem neuen Vorderreifen, dem Besuch des Panama-Kanals erhofften wir uns auch, als sogenannte „linehander“ (vorgeschriebene Helfer) auf einem Boot durch den Kanal fahren zu können. Leider ist auch für Boote aus aller Welt nicht gerade Saison und so wurde aus diesem Abenteuer leider nichts. Aber auch als „normaler“ Besucher ist der Kanal absolut beeindruckend, vor allem, wenn man sich vor Augen führt, wie lange die Planung, der Bau gedauert und wie viele Menschenleben er gekostet hat.







Unsere Familie, bei der wir wohnen, kommt ursprünglich aus Ecuador und sie haben natürlich gaaaanz viele Tips für den Besuch von Ecuador ;-) Carlos arbeitet für die Unicef und entsprechend befindet sich ihr Haus in einer sicheren, ruhigen Wohngegend – ääähhh sicherer geht’s gar nicht: direkt neben diesem Grundstück ist die Polizeischule der Nationalen Polizei und ich werde jeden Morgen wahlweise von Trompetenfanfaren, dem Gesang der Panamesischen Hymne oder geschrieenen Drill-Befehlen geweckt.Der zum Haus gehörende Garten tropisch und immer wieder lustige Tiere, die uns einen kurzen Besuch abstatten ;-)

der Garten und Ausblick vom Patio in den Garten......

Gut 3 Monate bin ich nun unterwegs, etwas mehr als die Hälfte meines Sabbaticals ist (bereits) vorüber. Und ich stehe nun also bereits quasi vor der Tür zu Südamerika, alles ist bereit: Suzy nach dem grossen Service wieder wie neu, Vorderreifen nach 22'000km gewechselt, Wäsche gewaschen, Reiserouten und mögliche Hostels endlich auch detaillierter geplant – zumindest vorläufig mal für Kolumbien. Am Donnerstag geht es mitsamt Motorrad auf die Stahlratte (googeln, ist spannend!), die uns nach 1-2 Tagen relaxen bei den San Blas-Inseln nach Cartagena, Kolumbien bringt. Mein Gefühl ist ähnlich wie nach Alaska/Kanada: ich will hier weg, will das neue, unbekannte Land, den neuen Kontinent endlich erleben. Noch einmal eine ganz andere Welt, andere Kulturen, Bedingungen und klimatischen Verhältnisse. Ich werde Zentralamerika sicher nicht ganz gerecht, merke ich doch, dass diese Länder für mich zurückblickend mehr „Durchgangs-Station“ waren. Dabei doch so unendlich schön, vielfältig, farbig – und unglaublich arm. Daran habe und werde ich mich wohl nicht gewöhnen – und das ist auch besser so. Was ich dafür umso besser in Erinnerung behalten werde sind die Menschen, die ich unterwegs gesehen und angetroffen habe; und auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: nicht ein Moment der Furcht, immer freundliche, interessierte Menschen, die mir oftmals mit Freude begegnet sind. 

wer hat das grössere "smile"-Wettbewerb :-)





der nächste Blog dann also nächste Woche aus Cartagena, Kolumbien.....hasta luego mi amigos